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Ayatollah Khomeini: Leben, Revolution und Vermächtnis

Maximilian Tobias Schneider Wolf • 2026-06-25 • Gepruft von Daniel Becker

Es klingt wie der Stoff einer großen politischen Erzählung: Ein schiitischer Geistlicher kehrt an einem Februartag 1979 nach Teheran zurück – und wird von Millionen Menschen als Retter empfangen. Ayatollah Ruhollah Khomeini sollte in den folgenden zehn Jahren das Gesicht des Iran radikal verändern und ein politisches System etablieren, das bis heute nachwirkt.

Geboren: 17. Mai 1900 ·
Gestorben: 3. Juni 1989 ·
Amt: Erster Oberster Führer des Iran (1979–1989) ·
Revolution: Islamische Revolution 1979 ·
Iran-Irak-Krieg: 1980–1988 ·
Nachfolger: Ali Khamenei

Kurzüberblick

1Bestätigte Fakten
2Was unklar ist
  • Die genauen Todesumstände: Offiziell Herzinfarkt, Spekulationen über mögliche Einflüsse (Britannica)
  • Umfang seiner persönlichen Beteiligung an der Geiselkrise von 1979 (Reuters)
3Zeitleisten-Signal
  • 1. Februar 1979: Rückkehr aus dem Exil (Reuters)
  • 3. Dezember 1979: Amtseinführung als Oberster Führer (Britannica – Iranische Revolution)
  • 22. September 1980: Beginn des Iran-Irak-Krieges (Britannica)
  • 20. August 1988: Waffenstillstand (Britannica)
  • 3. Juni 1989: Tod (Büro des Obersten Führers)
4Wie es weitergeht
  • Khomeinis ideologisches Erbe (Velayat-e Faqih) prägt die iranische Politik bis heute (Britannica)
  • Ali Khamenei führt das Amt des Obersten Führers fort (Büro des Obersten Führers)

Sieben zentrale biografische Daten, eines ist besonders aufschlussreich: Khomeinis Aufstieg vom Exilgeistlichen zum Staatsoberhaupt vollzog sich in nur zehn Jahren.

Merkmal Wert
Vollständiger Name Ruhollah Mostafavi Musavi Khomeini
Geburtsdatum 17. Mai 1900
Geburtsort Chomein, Iran
Todesdatum 3. Juni 1989
Todesort Teheran, Iran
Amtszeit als Oberster Führer 3. Dezember 1979 – 3. Juni 1989
Nachfolger Ali Khamenei

Wofür ist Ayatollah Khomeini am bekanntesten?

Die Islamische Revolution

Khomeini wird weltweit als Anführer der Islamischen Revolution von 1979 identifiziert, die das jahrhundertealte Schah-Regime stürzte. Die aktive Phase begann laut EBSCO Research Starters (akademische Datenbank) bereits im Januar 1978 mit regierungskritischen Protesten in Qom. Britannica (Enzyklopädie) beschreibt den Aufstand als breite Volksbewegung, die sich gegen die Herrschaft von Schah Mohammad Reza Pahlavi richtete.

Errichtung der Islamischen Republik

Nach dem Sturz der Monarchie am 11. Februar 1979 (Britannica – Iranische Revolution) führte Khomeini eine theokratische Verfassung ein. Das neue System basierte auf seiner Doktrin des Velayat-e Faqih – der Herrschaft des Rechtsgelehrten. Britannica – Biografie Khomeini hält fest, dass er faktisch zum zentralen politischen und religiösen Führer des neuen Staates wurde.

Ideologie des Khomeinismus

Khomeinis Lehre, oft als Chomeinismus bezeichnet, verbindet schiitische Theologie mit einer antiimperialistischen und antimonarchistischen Agenda. Das Büro des Obersten Führers (offizielle iranische Quelle) betont bis heute den positiven Einfluss seiner Ideen auf die iranische Gesellschaft. Kritiker verweisen auf die Unterdrückung von Opposition während seiner Herrschaft – ein Aspekt, den Britannica als Teil seines umkämpften Vermächtnisses beschreibt.

Fazit: Khomeini ist der Architekt der Islamischen Republik – sein System der Gelehrtenherrschaft überdauert alle innenpolitischen Krisen. Für Historiker: Der Bruch mit der Monarchie war total. Für Iran-beobachter: Die ideologischen Grundlagen von 1979 wirken bis in die heutige Innenpolitik fort.

Was tat Khomeini mit dem Iran?

Politische Umwälzungen

Khomeini führte eine umfassende Islamisierung aller staatlichen Institutionen durch. Das Justizsystem wurde nach schiitischem Recht neu ausgerichtet, das Bildungswesen vereinheitlicht und Frauen zu Kleidungsvorschriften verpflichtet. Britannica dokumentiert, dass seine Herrschaft von Säuberungen politischer Gegner und massiven Menschenrechtsverletzungen geprägt war.

Verfassungsgebung

Die Verfassung der Islamischen Republik, die im Dezember 1979 per Referendum angenommen wurde, verankerte den Obersten Führer mit weitreichenden Vollmachten. Britannica stellt klar, dass Khomeini damit ein System schuf, das die Gewaltenteilung faktisch aufhob – der Geistliche steht über allen anderen Gewalten.

Unterdrückung von Opposition

Linke Gruppen, liberale Intellektuelle und ethnische Minderheiten wurden systematisch verfolgt. Britannica spricht von tausenden politischen Gefangenen und Hinrichtungen. Der Brookings Institution (US-amerikanischer Thinktank) zufolge war die Ablehnung der Schah-Herrschaft zwar breit, die neue Ordnung aber ebenso autoritär.

Der Widerspruch

Khomeini versprach Freiheit von westlicher Einmischung, errichtete aber eines der repressivsten Regime der Region. Für iranische Dissidenten: Das neue System tauschte nur die Herren aus.

Das Ergebnis: Ein Staat, der seine Legitimität aus religiöser Autorität bezieht und jede Opposition als Gotteslästerung verfolgt.

Was das bedeutet: Khomeini schuf eine theokratische Ordnung, die jede Abweichung unterdrückt – die Islamische Republik sichert ihre Macht durch Religionsrecht und Repression.

Warum kämpfte Saddam gegen Khomeini?

Ursachen des Iran-Irak-Krieges

Am 22. September 1980 befahl Saddam Hussein den Einmarsch in den Iran. Britannica nennt als Hauptmotiv die Furcht vor einer Ausbreitung der Islamischen Revolution auf den Irak, wo die schiitische Mehrheit eine potenzielle fünfte Kolonne bildete. Saddam, ein säkularer Panarabist, sah in Khomeinis Theokratie eine existenzielle Bedrohung.

Verlauf des Krieges

Der achtjährige Konflikt forderte nach Schätzungen bis zu einer Million Tote. Britannica hebt den Einsatz chemischer Waffen auf irakischer Seite hervor. Beide Seiten führten einen Abnutzungskrieg mit massiven Menschenverlusten – der Iran setzte dabei auf menschliche Wellenangriffe und die Mobilisierung religiöser Symbolik.

Folgen für beide Länder

Der Krieg endete am 20. August 1988 mit einem UN-Waffenstillstand, da Khomeini – nach eigenen Worten „wie Gift“ – die Resolution 598 akzeptierte (Britannica). Für den Iran bedeutete der Krieg eine wirtschaftliche Katastrophe und eine innenpolitische Festigung des Regimes. Saddam hingegen hatte sein Ziel, Khomeini zu stürzen, verfehlt.

Was dieser Krieg bedeutet: Er festigte Khomeinis Macht im Inland, aber isolierte den Iran international – ein Muster, das bis heute anhält.

Wie starb Ayatollah Khomeini?

Todesursache

Khomeini starb am 3. Juni 1989 an einem Herzinfarkt. Das Büro des Obersten Führers (offizielle Quelle) bestätigt die offizielle Version. Dennoch gibt es bis heute Spekulationen über mögliche äußere Umstände – Britannica hält sich mit Andeutungen zurück, bezeichnet die Todesursache aber nicht als umstritten.

Letzte Tage

In seinen letzten Monaten soll Khomeini an Magenkrebs gelitten haben, die Öffentlichkeit erfuhr jedoch erst nach seinem Tod Details. Reuters berichtet, dass der Gesundheitszustand des 89-Jährigen in den Wochen vor seinem Tod stark abfiel.

Staatstrauer und Beerdigung

Sein Tod löste eine Massentrauer von Millionen Iranern aus. Britannica schildert, wie Trauernde bei der Beerdigung auf dem Behescht-e Zahra Friedhof in Teheran den Sarg stürmten – ein symbolträchtiger Moment, der die emotionale Bindung an den Revolutionsführer zeigte.

Die Fallgrube

Khomeinis Tod setzte ein Machtvakuum, das das System durch die schnelle Wahl eines Nachfolgers überbrücken musste. Für die iranische Führung: Der Tod des Gründervaters war eine Zerreißprobe.

Der Übergang zeigte die Verletzlichkeit des Systems – es brauchte nur einen Tag, um den Nachfolger zu bestimmen.

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Wer wurde Nachfolger von Ayatollah Khomeini?

Die Wahl des Nachfolgers

Bereits am 4. Juni 1989, einen Tag nach Khomeinis Tod, wählte der Expertenrat (Assembly of Experts) Ali Khamenei zum neuen Obersten Führer. Britannica dokumentiert, dass Khamenei zuvor Präsident des Iran war und als Gefolgsmann Khomeinis galt.

Ali Khamenei als neuer Oberster Führer

Khamenei übernahm das Amt mit weniger theologischer Autorität als Khomeini – er war damals kein Großajatollah. Britannica merkt an, dass die Verfassung entsprechend angepasst wurde, um auch einen niedereren Geistlichen als Obersten Führer zuzulassen. Seit 1989 hat Khamenei das System Khomeinis gefestigt und ausgebaut.

Veränderungen unter Khamenei

Unter Khamenei entwickelte sich der Iran zur Regionalmacht, die ideologischen Grundlagen blieben jedoch identisch. Das Büro des Obersten Führers betont die Kontinuität: Khomeinis Vision von einer unabhängigen, islamischen Republik lebe in Khamenei fort.

Der Wechsel zeigte: Das System Khomeini überlebte seinen Begründer – aber die Nachfolge war pragmatischer, als die Ideologie vermuten ließ.

Zeitleiste der wichtigsten Ereignisse

  • 17. Mai 1900: Geburt in Chomein (Büro des Obersten Führers)
  • 1964: Verbannung in den Irak und später nach Frankreich (Britannica)
  • 1978–1979: Islamische Revolution (Britannica – Iranische Revolution)
  • 1. Februar 1979: Rückkehr nach Teheran (Reuters)
  • 3. Dezember 1979: Amtseinführung als erster Oberster Führer (Britannica – Iranische Revolution)
  • 22. September 1980: Irakische Invasion, Beginn des Iran-Irak-Krieges (Britannica)
  • 20. August 1988: Waffenstillstand (Britannica)
  • 3. Juni 1989: Tod Khomeinis (Büro des Obersten Führers)

Klarheit: Bestätigte Fakten und offene Fragen

Bestätigte Fakten

  • Khomeini wurde am 17. Mai 1900 geboren (Büro des Obersten Führers)
  • Er starb am 3. Juni 1989 (Büro des Obersten Führers)
  • Er war Anführer der Islamischen Revolution 1979 (Britannica)
  • Erster Oberster Führer des Iran (Britannica)
  • Der Iran-Irak-Krieg dauerte von 1980 bis 1988 (Britannica)

Was unklar oder umstritten ist

  • Die genauen Todesumstände – offiziell Herzinfarkt, Spekulationen über mögliche Einflüsse (Britannica)
  • Umfang seiner persönlichen Beteiligung an der Geiselkrise von 1979 (Reuters)
  • Ob die aktive Phase der Revolution bereits im Januar 1978 begann – EBSCO Research Starters (Datenbank) datiert die Proteste auf Januar 1978, andere Quellen auf 1979
  • Das genaue Ausmaß seiner politischen Wirkung nach 1989 – Britannica betont die institutionelle Kontinuität, aber die individuelle Rolle ist schwer messbar
  • Seine internationale Wahrnehmung als Symbolfigur – Britannica spricht von einer symbolischen Rolle, Details bleiben vage

„Wir werden eine islamische Republik errichten, die auf den Prinzipien des Korans basiert – keine Monarchie, kein Imperialismus. Die Regierung muss in den Händen des Rechtsgelehrten liegen.“

– Ayatollah Khomeini, in einer Rede nach seiner Rückkehr am 1. Februar 1979 (zitiert nach Britannica – Biografie Khomeini)

„Imam Khomeinis Vermächtnis ist der Kompass der Islamischen Republik. Seine Lehre des Velayat-e Faqih bleibt das Fundament unseres politischen Systems.“

– Das Büro des Obersten Führers, auf der offiziellen Biografieseite (Büro des Obersten Führers, offizielle Quelle)

Fazit: Was bleibt von Khomeini?

Ayatollah Khomeini hat den Iran fundamental umgestaltet – von einer pro-westlichen Monarchie zu einer theokratischen Republik, die sich bis heute gegen innen und außen abschottet. Für die iranische Gesellschaft bedeutet das Erbe Khomeinis eine anhaltende Spannung zwischen religiöser Autorität und dem Wunsch nach Freiheit. Für die internationale Gemeinschaft ist die Auseinandersetzung mit diesem Erbe unvermeidlich: Wer den Iran verstehen will, muss Khomeini verstehen – oder das Scheitern riskieren.

Häufig gestellte Fragen

Welche Bedeutung hat der Titel Ayatollah?

Ayatollah („Zeichen Gottes“) ist der höchste Titel in der schiitischen Geistlichkeit. Khomeini trug den Titel eines Großajatollahs (Marja), was ihn zu einer der höchsten religiösen Autoritäten machte.

Wie alt wurde Ayatollah Khomeini?

Er wurde 89 Jahre alt. Geboren am 17. Mai 1900, gestorben am 3. Juni 1989.

War Khomeini verheiratet?

Ja, er heiratete 1929 Khadijeh Saqafi. Sie hatten fünf Kinder, von denen drei das Erwachsenenalter erreichten.

Welche Schriften verfasste Khomeini?

Sein wichtigstes Werk ist „Islamische Regierung“ (Velayat-e Faqih), in dem er die Herrschaft der Rechtsgelehrten theoretisch begründet. Daneben verfasste er zahlreiche religiöse Abhandlungen und Gedichte.

Wie wird Khomeini im Iran heute gesehen?

Offiziell als Imam und Gründervater verehrt, gibt es in der Bevölkerung ein gespaltenes Bild – viele Ältere erinnern sich an die Revolution, während jüngere Iraner zunehmend kritisch auf die theokratische Herrschaft blicken.

Welche Rolle spielte Khomeini in der Geiselkrise von 1979?

Die Geiselnahme von 52 US-Amerikanern in der Botschaft Teheran begann am 4. November 1979. Khomeini unterstützte die Aktion öffentlich. Sein genauer Einfluss auf die Entscheidungsfindung ist nicht vollständig geklärt.

Unterscheidet sich Khomeinis Ideologie von anderen islamischen Bewegungen?

Ja, der von ihm geprägte Chomeinismus verbindet schiitische Eschatologie mit antiwestlichem Nationalismus und dem Alleinvertretungsanspruch der Geistlichkeit. Er unterscheidet sich fundamental vom sunnitischen Islamismus eines Sayyid Qutb.

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